Pro Patient ist pro Tag eine Besuchsperson für eine Stunde gestattet (Mo - Sa zwischen 15 und 18 Uhr, sonn- und feiertags zwischen 10 und 18 Uhr).
„Hier ist eine Luft wie im Pumakäfig,“ ruft Susanne Neuberger lachend als sie das Patientenzimmer betritt und reißt das Fenster energisch auf. Die positive Energie, die von der 76-Jährigen ausstrahlt, ist fast schon greifbar. Als grüne Dame besucht sie Patientinnen und Patienten, leistet ihnen Gesellschaft, hört zu, bietet Gespräche und Unterstützung an. Jeden Freitag ist sie im Dienst der Patienten im Limburger Krankenhaus im Einsatz – seit 25 Jahren.
Für dieses außergewöhnliche ehrenamtliche Engagement wurde sie jetzt von der stellvertretenden Geschäftsführerin Anett Suckau und Pflegedirektor Jens Rößner geehrt. „Dieser selbstlose Einsatz ist alles andere selbstverständlich,“ zeigt sich Suckau beeindruckt „und das über einen so langen Zeitraum! Wir möchten unsere Grünen Damen nicht missen. Sie opfern Lebenszeit für Andere und stellen private Dinge zurück. So etwas verdient unseren höchsten Respekt.“ Als grüne Damen und Herren führen Neuberger und ihre Mitstreiter keine therapeutischen Tätigkeiten aus; vielmehr besuchen sie die Patienten auf den Stationen und sorgen dafür, den Klinikaufenthalt zu erleichtern. „Eine wichtige Ergänzung zur medizinisch und pflegerischen Versorgung“, ist Rößner überzeugt. „Ehrenamtlichen Helferinnen wie Susanne Neuberger leisten einen wertvollen Beitrag, indem sie Empathie und Fürsorge vermitteln, Ängste lindern und ein offenes Ohr für die Anliegen der Patienten haben.“
Zeit zum Zuhören, Austauschen und Schweigen
Warum sie grüne Dame geworden ist, weiß Susanne Neuberger gar nicht mehr: „Ich war einfach schon immer sozial engagiert.“ In ihren ersten Jahren im St. Vincenz war die gebürtige Hamburgerin auf verschiedenen Stationen im Einsatz, seit einigen Jahren hat sich Neuberger auf den onkologischen und palliativen Bereich fokussiert. „Hier herrscht einfach eine andere Atmosphäre,“ berichtet sie. Die Patienten seien besonders dankbar für die Besuche und auch sie sei häufig tief berührt von den Erlebnissen auf Station. „Die Ärzte und Pflegekräfte sind sehr engagiert und stets um ein offenes Ohr bemüht – das merkt man. Doch ich kann noch einmal ganz anders mit den Patienten reden.“ Und Susanne Neuberger bringt eine entscheidende Ressource mit: Zeit. Zeit zum Zuhören, Zeit zum Austauschen und, falls gewünscht, Zeit zum gemeinsamen Schweigen. „Viele onkologische Patienten haben einen hohen Redebedarf,“ sagt Neuberger. „Manche möchten auch einfach einmal mit einer „unbeteiligten“ Person sprechen - vor allem über Themen, die sie nicht mit ihren Familien besprechen möchten. Dann bin ich da.“
Damit sei sie nicht nur für die Patienten eine empathische Wegbegleiterin, sondern auch für die Mitarbeiter auf Station eine große Stütze, ist Pflegedirektor Rößner überzeugt und zollt Neubergers Einsatz in der Onkologie, der onkologischen Brustambulanz und Palliativmedizin gleichzeitig großen Respekt: „Insbesondere die Arbeit mit onkologischen Patientinnen und Patienten ist sehr anspruchsvoll,“ weiß Rößner zu berichten.
Mit den Pflegekräften bespricht die grüne Dame vorab, welche Patienten sich über ihren Besuch freuen könnten und dann legt die 76-Jährige los. „Ich bereite mich nicht großartig vor, lege mir nicht zurecht, was ich sagen möchte,“ erklärt Neuberger. „Vielmehr lasse sie sich auf die jeweilige Situation ein, versuche zu spüren, was der Patient gerade brauche und habe entsprechend mal einen lockeren Spruch auf den Lippen, mal ein verständnisvolles Lächeln.“ Geholfen habe ihr im Umgang mit den Patienten sicherlich der medizinische Hintergrund in ihrer Familie, berichtet die dreifache Mutter. „Doch dieses Ehrenamt lebt vor allem von der Persönlichkeit“, sagt Suckau. „Empathie kann man nicht lernen!“
Engagement über Besuchsdienst hinaus - Schminkseminare für Krebspatientinnen
Vor allem die Krebspatientinnen lagen der achtfachen Oma schon immer am Herzen. Neben ihrer Tätigkeit als grüne Dame hat Neuberger über zehn Jahre lang Schminkkurse für Brustkrebspatientinnen gegeben. Auch dass es diese Kurse im St. Vincenz überhaupt gibt, ist Neuberger zu verdanken, die sich vor vielen Jahren für die Kooperation mit der DKMS life eingesetzt hat. „Diese Kurse habe ich wirklich mit Leidenschaft gemacht,“ erinnert sich Neuberger. Und so war es für die engagierte Mutter und Hausfrau keine Frage, sich der „Herausforderung Zoom“ anzunehmen, als die Kurse während der Coronapandemie online angeboten werden mussten.
Denn: „Wer rastet, der rostet!“, ist Neubergers Motto. Daher steht es für sie außer Frage, dass nach 25 Jahren als grüne Dame noch nicht Schluss ist. „Bis ich 80 bin werde ich auf jeden Fall grüne Damen bleiben“ – und so wird man Susanne Neuberger auch noch in den kommenden Jahren jeden Freitag in ihrem grünen Kittel auf den Stationen im Limburger Krankenhaus sehen und hoffentlich von ihrer positiven Ausstrahlung angesteckt werden.
Sie unterstützen die Patienten, wenn es nicht um das Medizinische oder Pflegerische geht – die grünen Damen und Herren sind eine Gruppe engagierter freiwilliger Helfer, deren Hauptanliegen es ist, den Patienten den Krankenhausaufenthalt angenehmer zu gestalten. Dabei führen sie keine pflegerischen oder therapeutischen Tätigkeiten aus; vielmehr besuchen sie die Patienten auf den Stationen, bieten Gespräche an und sorgen durch kleine Dienste dafür, den Klinikaufenthalt zu erleichtern.
Zehn grüne Damen sind aktuell im Limburger St. Vincenz-Krankenhaus unterwegs und freuen sich über Verstärkung: Als grüne Dame oder Herr kann sich grundsätzlich jeder engagieren, spezielle Anforderungen oder zwingend notwendige Kenntnisse gibt es nicht. Viel wichtiger sind Kontaktfreudigkeit und Einfühlungsvermögen. Zuverlässigkeit und Verschwiegenheit sowie ein grundsätzlich gutes Maß an psychischer Belastbarkeit sind außerdem gute Voraussetzungen, um als ehrenamtliche Unterstützung im Krankenhaus tätig zu sein.